|
|
Fahrleitungsanlagen und technische Einrichtungen
elektrisch betriebene Linien (Obus-/Dieselbus Mischbetrieb; bis 2008 auch Duo-Bus-Betrieb): 101 Lerchenäcker - Bhf. Esslingen - Mettingen - Obertürkheim und zurück Fahrzeugbedarf max. 7 Obusse 118 Bhf. Esslingen - Zollberg und zurück Fahrzeugbedarf max. 2 Obusse
früher teilelektrisch betriebene Linien (Duo-Bus-Betrieb, ab 01/2000 auch Dieselbusbetrieb*): * ab Juli 2005 E-Betrieb nur noch auf Teilstück Weilstraße-Nellinger Linde und Nellinger Linde-Pliensauturm möglich; Einsatz der wenigen verbleibenden Duo-Busse erfolgte praktisch nur im Dieselmodus. Ab 2007 nur noch Dieselbusbetrieb. Im März 2008 wurden die letzten Duo-Busse außer Dienst gestellt. 119 Bhf. Esslingen - Zollberg - Denkendorf und zurück 120 Bhf. Esslingen - Zollberg - Neuhausen (Wolfschlugen) und zurück (Die Linien 119 und 120 werden im Auftrag der END betrieben)
statistische Daten des Fahrleitungsnetzes:
Wendeschleifen:
* bis Juli 2005 auch Linien 119, 120
Bauarten:
SSW-Kurvenschiene in der Wendeschleife Lerchenäcker (1961-Nov.1994)
Das Esslinger Fahrleitungsnetz wurde 1944 hauptsächlich mit SSW-Bauteilen errichtet. Als anfangs der fünfziger Jahre der Betriebshof eine umfangreichere Fahrleitungsanlage erhielt, existierten SSW- und BBC-Aufhängungen (ebenso Weichen) in Esslingen. Mit dem Bau der Mettinger Wendeschleife in der Cannstatter Strasse (1973) kamen dann vollelastische Aufhängungen der Bauart K&M (Kummler & Matter, Zürich) hinzu. Ende 1994 wurde die Modernisierung der Fahrdrahtaufhängung abgeschlossen, so dass fortan eine artreine K&M-Anlage bestand. Danach wurden noch örtliche Korrekturen durchgeführt und kurze Abschnitte mit neuem Fahrdraht versehen.
K&M-Kurvenschiene mit Schrägpendelaufhängung (Lerchenäcker)
K&M Fahrleitungskreuzung (Lerchenäcker)
Fahrdraht-Stoßverbinder älterer Bauart
Stromabnehmerschuh am Fahrzeug:
S+E Stromabnehmer, wie er noch bis Anfang der 90er-Jahre zum Einsatz kam
S+E Schleifkohleneinsatz
Signaltafeln:
Der Hinweis zur Höchstgeschwindigkeit 25 km/h befindet sich "pro forma" an jeder Oberleitungsweiche und -kreuzung. Schnellfahrweichen beispielsweise werden in Vorzugsrichtung von manchen Fahrern mit 25 km/h, von anderen aber auch mit 60 km/h ohne Stangenentgleisung befahren.
Signaltafeln an einer Oberleitungskreuzung
Elektro-Weichen: In Esslingen kommen heute ausschließlich Kummler & Matter E-Weichen der Bauart U88 (ab 1990) und Vorgängerbauarten (1986) zum Einsatz. Während früher so genannte symmetrische Weichen zum Einsatz kamen, sind heute nur noch Rechtsfahr- oder Linksfahrweichen vorhanden, die in Vorzugsrichtung keine Ablenkung des Stromabnehmers verursachen und daher relativ hohe Geschwindigkeiten ermöglichen. Das Stellen der Weichen geschieht über Sender, die sich an der rechten Stromabnehmerstange befinden. Vor jeder E-Weiche ist oberhalb des Fahrdrahtes eine Antenne installiert, die die Sendesignale zur Steuereinheit weiterleitet. Die Stellung muss der Fahrer per Drucktaster aktivieren. Die jüngsten Obusse steuern die Weichen linienabhängig automatisch. Die automatische Rückstellung geschieht über induktive Geber (nur noch bei den Weichen im Betriebshof). Da die induktiven Rückstellgeber bei manchen Weichen nicht befriedigend funktionierten, wurden auch Versuche mit Kontaktgebern zur Rückstellung unternommen. Mittlerweile werden aufgrund höherer Betriebssicherheit alle linienmäßig befahrenen E-Weichen ohne automatische Rückstellung betrieben. Sie besitzen große LED-Anzeigen, die sich zusätzlich durch eine Blende besser vom Hintergrund abheben. Die Fahrer müssen das Signal immer beobachten, da "nach Sicht" die Weiche gestellt oder in ihrer Stellung belassen werden muss. Im Zuge der Umrüstung auf rückstellungslosen Betrieb sind die Schnellfahrweichen mit Blasmagneten zur Funkenlöschung am Isolator vor dem Kreuzungsstück ausgestattet worden. Die neue Obusgeneration (Van Hool AG300T), die seit 2002 auf den Linien 101 und 118 zum Einsatz kommt, steuert die Weichen automatisch linienabhängig.
Antenne zur Weichensteuerung, Bahnhof Esslingen (bis 07/2005)
LED-Richtungsanzeige der Schnellfahrweiche Mettinger Straße
Früher wurden die Weichen entweder per Druckknopf an Schaltkästen, oder per Stellkontakt (fahrstromabhängig) bedient. Um diese Weichen sicher zu stellen, jedoch nicht zu sehr an Geschwindigkeit zuzunehmen, wurde früher oft gleichzeitig mittels Feststellbremse gebremst und "Strom gegeben". Um bei eingeschalteter Heizung und Kompressor ein unbeabsichtigtes Stellen der Weiche zu verhindern, musste ein Taster bzw. ein Lenksäulenhebel betätigt werden, um diese Verbraucher abzuschalten. Funktionsweise dieses Weichentyps: Prinzipschaltung einer Siemens-Weiche mit Stellkontakt Der Stellkontakt (S) ist innerhalb des Plus-Fahrdrahtes isoliert eingefügt, erhält jedoch dessen Potenzial abgesichert über F1 und über die niederohmige Schützspule von K1. Passiert der Obus stromlos den Stellkontakt, wird das Gleichstromschütz K1 nicht erregt. Die Stellmagnete in der Weiche (W) erhalten keinen Stromstoß. Fährt der Obus mit eingeschalteten Verbrauchern (Heizung, Kompressor oder Fahrmotor), so fließt der Strom vom Plus-Fahrdraht über die Schützspule von K1 und über den Stellkontakt zu den Verbrauchern im Obus und zurück zum Minus-Fahrdraht. Überschreitet dieser Strom den Ansprechwert von 17 A (entspricht 10,2 kW), zieht das Schütz an. Dabei fallen über der Schützspule nur ca. 2V ab. Über einen Druckknopf im Weichenschaltkasten ist das Schütz auch manuell schaltbar. Schaltet K1, so erhalten die Stellmagnete (im Schaltplan nur 1x dargestellt) über einen Vorwiderstand von 280 Ohm Spannung. Zum Bewegen der Weichenzungen reicht ein Stromstoß. Die Zungen werden in Abbiegestellung mechanisch verriegelt. Gleichzeitig schalten die Stellmagnete einen Umschaltkontakt, der die Richtungsanzeige umschaltet. Die Lampen erhalten ihr positives Potenzial ebenfalls abgesichert vom Weichenschaltkasten, das negative Potenzial über einen Vorwiderstand von 2 kOhm und über die Spulen der Stellmagnete. Die Rückstellung erfolgte bei diesem Weichentyp mechanisch nach Befahren der Weichenzungen in Abbiegerichtung (Rückzug der entriegelten Weichenzungen über Federn). Bei den in den 80er-Jahren erneuerten Stellkontaktweichen wurde der Stellkontakt im Minus-Fahrdraht (rechts in Fahrtrichtung) eingebaut. Die Rückstellung geschah elektrisch, ausgelöst durch einen induktiven Geber.
Siemens-Weichenschaltkasten aus den 50er-Jahren für Weiche mit Stellkontakt (Neckarstraße) (in Betrieb bis 1986)
Aufstellung der E-Weichen (ohne Betriebshof):
Auf dem Gelände des Depots Bismarckstraße befand sich außerdem eine handgesteuerte Weiche, die die Zufahrt zu den beiden links gelegenen Hallentoren ermöglichte.
Der Betriebshof: Der Betriebshof Heilbronner Straße befindet sich unweit des früheren Obusdepots, welches bereits 1912 die Esslinger Städtische Straßenbahn beherbergte. Der 30 Mio. DM kostende Neubau wurde Anfang 1987 gemeinsam mit Teilbereichen des städtischen Tiefbauamtes bezogen.
Das bereits geräumte Depot in der Plochinger Straße (Juni 1987) Foto: R. Maggi
Der neue Betriebshof in der Heilbronner Straße
Besonderheiten:
Duo-Bus 321 am 18.03.92 auf der Vogelsangbrücke
"Weltrekord für den Obus" lautete im April 1991 eine Pressemitteilung. Gemeint war die Distanz der Fahrleitungs-Abspannung von 98 Metern auf der Vogelsangbrücke über dem Neckar. Die Masten konnten aus statischen Gründen nicht im Fundament der Brücke gesetzt werden und mussten deshalb in wesentlich stärkerer Ausführung auf dem Grund gesetzt werden. Elektrisch befahren wird dieser Streckenabschnitt seit November 1991 von den Linien 118, 119 und 120. Seit März 2005 können in stadtauswärtiger Richtung nur noch die Obusse der Linie 118 diesen Abschnitt befahren.
Eindrahthilfen:
Eindrahttrichter und Hinweis zum Eindrahten Foto: R. Krüger
Eindrahttrichter (Lerchenäcker)
Seit Beginn des Obusbetriebes wurden in Esslingen dreiteilige Holzstangen zum Eindrahten der Stromabnehmer benutzt. Obus 11 war nur versuchsweise kurzzeitig mit Trolley-Retrievern ausgestattet. Mit Beginn des Duo-Bus-Versuchsbetriebes wurde das vollautomatische Ein-/Ausdrahten (System Dornier) erprobt. Da sich dies nicht vollständig bewährte, wurde 1985 das halbautomatische Eindrahten mit Fahrleitungstrichtern eingeführt. Da auf manuelles Eindrahten nicht vollständig verzichtet werden konnte, befand sich in jedem Fahrzeug weiterhin eine Eindrahtstange. Ab 1988 wurden dafür umgebaute Teleskop-Erdungsstangen der Bundesbahn benutzt. Die 2002 gelieferten Niederflur-Gelenkobusse haben pneumatische Abzugsvorrichtungen von Kiepe. Eingedrahtet wird manuell mittels den Leinen, die am Ende der Trolleystangen befestigt sind. Hierbei entfallen die Eindrahtstangen.
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
© 2000-2010 R. K. |