Der Obus- und Duo-Bus-Betrieb in Esslingen am Neckar

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Fahrleitungsanlagen und technische Einrichtungen

 

 

 
Schnellfahrweiche Zollbergstraße   Schnellfahrweiche in Mettingen mit LED-Anzeige und Funkenlöscher

 

elektrisch betriebene Linien (Obus-/Dieselbus Mischbetrieb; bis 2008 auch Duo-Bus-Betrieb):

101    Lerchenäcker - Bhf. Esslingen - Mettingen - Obertürkheim und zurück

Fahrzeugbedarf max. 6 Obusse (Mo-Sa: 5 Grundkurse)

118    Bhf. Esslingen - Zollberg und zurück

Fahrzeugbedarf max. 2 Obusse

 

früher teilelektrisch betriebene Linien (Duo-Bus-Betrieb, ab 01/2000 auch Dieselbusbetrieb*):

* ab Juli 2005 E-Betrieb nur noch auf Teilstück Weilstraße-Nellinger Linde und Nellinger Linde-Pliensauturm möglich; Einsatz der wenigen verbleibenden Duo-Busse erfolgte praktisch nur im Dieselmodus. Ab 2007 nur noch Dieselbusbetrieb. Im März 2008 wurden die letzten Duo-Busse außer Dienst gestellt.

119    Bhf. Esslingen - Zollberg - Denkendorf und zurück

120    Bhf. Esslingen - Zollberg - Neuhausen (Wolfschlugen) und zurück

(Die Linien 119 und 120 werden im Auftrag der END betrieben)

 

statistische Daten des Fahrleitungsnetzes:

Lerchenäcker-Obertürkheim:   8,2 km
Mettingen Cannstatter Strasse:   0,8 km
Nellingen Linde - Einmündung in Neckarstrasse:   3,4 km
Zollberg-Schleife:    2,8 km
Schleife Bahnhof (ab 07/2005 nur Linie 118, 03/2013 entfernt):   0,10 km
Vogelsangbrücke, Rampe (07/2005 entfernt):   0,17 km
Zufahrt Betriebshof:   0,175 km

Gesamt-Streckenlänge (bis Juli 2005): 15,2 km
Linienlänge:  20,6 km
derzeit nicht benutzte Fahrleitung:  
Zollberg Eichendorffstr. - Nellinger Linde  

 

Bauart: Schrägpendelaufhängung, System Kummler & Matter
Fahrdraht: BRI 80, BRI 100, BRI 120

 

Stand ab 06/2013:      
Anzahl der E-Weichen: 8 (davon 5 im Betriebshof)
Anzahl der Schnellfahrweichen: 4   
Anzahl der Kreuzungen: 12  
Anzahl der Einlaufweichen: 12 (davon 5 im Betriebshof)
Anzahl der Einfädeltrichter: 2 (nur im Betriebshof)
Einspeisungen / Unterwerke: 9 / 5
Speisespannung: DC 600 V
Netzart:        IT-Netz (ungeerdet)

       linker Fahrdraht in Fahrtrichtung "+"

 

Wendeschleifen:

Linie 101 (früher 1, 2):  Lerchenäcker (seit 1961)
Mettingen/Cannstatter Strasse (seit 1973)
Bhf. Obertürkheim
(Mettingen, Maschinenfabrik, von 1951 bis 1968)
(Oberesslingen, bis 1984)
(Bhf. Esslingen, bis 1991)
Linie 118: Zollberg
Linie 118*:  (Bhf. Esslingen, bis 2013 )
Linie 118: Bhf. Esslingen/ZOB

* bis Juli 2005 auch Linien 119, 120; am 25.03.2013 demontiert

 

Bauarten:

 

SSW-Kurvenschiene in der Wendeschleife Lerchenäcker (1961-Nov.1994)

 

Das Esslinger Fahrleitungsnetz wurde 1944 hauptsächlich mit SSW-Bauteilen errichtet. Als anfangs der fünfziger Jahre der Betriebshof eine umfangreichere Fahrleitungsanlage erhielt, existierten SSW- und BBC-Aufhängungen (ebenso Weichen) in Esslingen. Mit dem Bau der Mettinger Wendeschleife in der Cannstatter Strasse (1973) kamen dann vollelastische Aufhängungen der Bauart K&M (Kummler & Matter, Zürich) hinzu.

Ende 1994 wurde die Modernisierung der Fahrdrahtaufhängung abgeschlossen, so dass fortan eine artreine K&M-Anlage bestand. Danach wurden noch örtliche Korrekturen durchgeführt und kurze Abschnitte mit neuem Fahrdraht versehen.

K&M-Kurvenschiene mit Schrägpendelaufhängung (Lerchenäcker)

 

K&M-Kurvenschiene neuer Bauart mit Thermoplast-Isolatorhalter

 

K&M Fahrleitungskreuzung (Lerchenäcker)

 

Fahrdraht-Stoßverbinder älterer Bauart

 

Stromabnehmerschuh am Fahrzeug:

 

S+E Stromabnehmer, wie er noch bis Anfang der 90er-Jahre zum Einsatz kam

 

S+E Schleifkohleneinsatz

 

Signaltafeln:

         - "Fahrdraht-Induktionsschleife" (Weiche stellen) "Trenner"
früher:  "Weichen-Stellkontakt" früher:  "Weiche" (Fahrstrom aus!)

 

"Fahrstrom aus!" Höchstgeschwindigkeit 25 km/h "Ende der Langsamfahrstrecke"
früher: "Trenner" (s. Text)  

 

"Stromabnehmer eindrahten" "Stromabnehmer ausdrahten"

 

Der Hinweis zur Höchstgeschwindigkeit 25 km/h befindet sich "pro forma" an jeder Oberleitungsweiche und -kreuzung. Schnellfahrweichen beispielsweise werden in Vorzugsrichtung von manchen Fahrern mit 25 km/h, von anderen aber auch mit 60 km/h ohne Stangenentgleisung befahren.

 

Signaltafeln an einer Oberleitungskreuzung

 

Elektro-Weichen:

In Esslingen kommen heute ausschließlich Kummler & Matter E-Weichen der Bauart U88 (ab 1990) und Vorgängerbauarten (1986) zum Einsatz. Alle Weichen sind in der Variante mit durchgehendem Fahrdraht ausgeführt.

Während früher so genannte symmetrische Weichen zum Einsatz kamen, sind heute nur noch Rechtsfahr- oder Linksfahrweichen vorhanden, die in Vorzugsrichtung keine Ablenkung des Stromabnehmers verursachen und daher relativ hohe Geschwindigkeiten ermöglichen. Weichen mit 10° Abzweigwinkel und geschaltetem Kreuzungselement  (Schnellfahrweichen) ermöglichen auch in Abzweigrichtung hohe Geschwindigkeiten, die den Individualverkehr nicht beeinträchtigen.

Das Stellen der Weichen geschieht über eine Induktionsspule, die sich am Ende der rechten Stromabnehmerstange befindet. Vor jeder E-Weiche ist oberhalb des Fahrdrahtes eine Antenne installiert, die die induzierte Spannung zur Steuereinheit weiterleitet. Die Frequenz der erzeugten Erregerspannung ist unterhalb 20 kHz. Die Signalübertragung ist bidirektional, so dass die aktuelle Stellung der Weiche der Steuerelektronik im Fahrzeug mitgeteilt wird. Früher mussten die Obusfahrer die Weichenstellung per Drucktaster aktivieren. Die jüngsten Obusse steuern die Weichen linienabhängig automatisch. Die automatische Rückstellung geschieht über induktive Geber (nur noch bei den Weichen im Betriebshof). Da die induktiven Rückstellgeber bei manchen Weichen nicht befriedigend funktionierten, wurden auch Versuche mit Kontaktgebern zur Rückstellung unternommen.

Mittlerweile werden aufgrund höherer Betriebssicherheit alle linienmäßig befahrenen E-Weichen ohne automatische Rückstellung betrieben. Sie besitzen große LED-Anzeigen, die sich zusätzlich durch eine Blende besser vom Hintergrund abheben. Die Fahrer müssen das Signal immer beobachten, um Stangenentgleisungen bei Fehlstellungen vermeiden zu können. Im Zuge der Umrüstung auf  rückstellungslosen Betrieb sind die Schnellfahrweichen mit Blasmagneten zur Funkenlöschung am Isolator vor dem Kreuzungsstück ausgestattet worden. Die neue Obusgeneration (Van Hool AG300T), die seit 2002 auf den Linien 101 und 118 zum Einsatz kommt, steuert die Weichen automatisch linienabhängig.

 

Antenne zur induktiven Weichensteuerung, Bahnhof Esslingen (bis 07/2005)

 

LED-Richtungsanzeige der Schnellfahrweiche Mettinger Straße

 

Früher wurden die Weichen entweder per Druckknopf an Schaltkästen, oder per Stellkontakt (fahrstromabhängig) bedient. Um diese Weichen sicher zu stellen, jedoch nicht zu sehr an Geschwindigkeit zuzunehmen, wurde früher oft gleichzeitig mittels Feststellbremse gebremst und "Strom gegeben". Um bei eingeschalteter Heizung und Kompressor ein unbeabsichtigtes Stellen der Weiche zu verhindern, musste ein Taster bzw. ein Lenksäulenhebel betätigt werden, um diese Verbraucher abzuschalten.

Funktionsweise dieses Weichentyps:

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Prinzipschaltung einer Siemens-Weiche mit Stellkontakt

Der Stellkontakt (S) ist innerhalb des Plus-Fahrdrahtes isoliert eingefügt, erhält jedoch dessen Potenzial abgesichert über F1 und über die niederohmige Schützspule von K1. Passiert der Obus stromlos den Stellkontakt, wird das Gleichstromschütz K1 nicht erregt. Die Stellmagnete in der Weiche (W) erhalten keinen Stromstoß. Fährt der Obus mit eingeschalteten Verbrauchern (Heizung, Kompressor oder Fahrmotor), so fließt der Strom vom Plus-Fahrdraht über die Schützspule von K1 und über den Stellkontakt zu den Verbrauchern im Obus und zurück zum Minus-Fahrdraht. Überschreitet dieser Strom den Ansprechwert von 17 A (entspricht 10,2 kW), zieht das Schütz an. Dabei fallen über der Schützspule nur ca. 2V ab. Über einen Druckknopf im Weichenschaltkasten ist das Schütz auch manuell schaltbar. Schaltet K1, so erhalten die Stellmagnete (im Schaltplan nur 1x dargestellt) über einen Vorwiderstand von 280 Ohm Spannung. Zum Bewegen der Weichenzungen reicht ein Stromstoß. Die Zungen werden in Abbiegestellung mechanisch verriegelt. Gleichzeitig schalten die Stellmagnete einen Umschaltkontakt, der die Richtungsanzeige umschaltet. Die Lampen erhalten ihr positives Potenzial ebenfalls abgesichert vom Weichenschaltkasten, das negative Potenzial über einen Vorwiderstand von 2 kOhm und über die Spulen der Stellmagnete. Die Rückstellung erfolgte bei diesem Weichentyp mechanisch nach Befahren der Weichenzungen in Abbiegerichtung (Rückzug der entriegelten Weichenzungen über Federn).

Bei den in den 80er-Jahren erneuerten Stellkontaktweichen wurde der Stellkontakt im Minus-Fahrdraht (rechts in Fahrtrichtung) eingebaut. Die Rückstellung geschah elektrisch, ausgelöst durch einen induktiven Geber. 

 

Siemens-Weichenschaltkasten für Weiche mit Stellkontakt (Neckarstraße)

(in Betrieb 1958 bis 1986)

 

Aufstellung der E-Weichen (ohne Betriebshof):

Ort Abzweigung befahren von Besonderheiten
Plochinger Str. (Richtung Bahnhof) Einrücker Linie 101 E-Weiche ohne automatische Rückstellung (1987-02/2003 Schnellfahrweiche mit Rückstellung)
Plochinger Str. (Richtung Oberesslingen) Einrücker E-Weiche ohne automatische Rückstellung (1987-05/2004 Schnellfahrweiche mit Rückstellung)
Friedrich-Ebert-Str. Ausrücker Linie 118 E-Weiche ohne automatische Rückstellung (1987-05/2005 E-Weiche mit Grundstellung Lerchenäcker)
Neckarstr. (Richtung Oberesslingen) 118 ohne automatische Rückstellung, Schnellfahrweiche
Neckarstr. (Richtung ZOB) 101 ohne automatische Rückstellung, Schnellfahrweiche
Mettingen 101 Verstärkerkurs Schnellfahrweiche (ab 1984), ohne automatische Rückstellung (ab 08/2000)
Zollberg 118 Schnellfahrweiche, ohne automatische Rückstellung; Weiche seit 2008 deaktiviert
     
11/1991-01/1992:    
Bahnhof Esslingen (Ausfahrt Haltespuren) 118 Schnellfahrweiche mit Rückstellung                (Ausfahrweiche vom Halteplatz 3 und 2a; am 02.01.1992 entfernt)
1991-2005:    
Bahnhof Esslingen (Einfahrt Haltespuren) 118 E-Weiche, ab 03/2002 ohne automatische Rückstellung (am 12.07.2005 entfernt)
1991-2006:    
Neckarstr. (Richtung Bahnhof) 118 (119, 120) ohne automatische Rückstellung, Schnellfahrweiche (am 21.04.2006 entfernt)
04/2006-03/2013:
Bahnhofplatz (Halteplatz 1) 118 ohne automatische Rückstellung, E-Weiche (ab 23.04.2006, am 25.03.2013 entfernt)

Auf dem Gelände des Depots Bismarckstraße befand sich außerdem eine handgesteuerte Weiche (Drahtzug), die die Zufahrt zu den beiden links gelegenen Hallentoren ermöglichte.

 

Der Betriebshof:

Der Betriebshof Heilbronner Straße befindet sich unweit des früheren Obusdepots, welches bereits 1912 die Esslinger Städtische Straßenbahn beherbergte. Der 30 Mio. DM kostende Neubau wurde Anfang 1987 gemeinsam mit Teilbereichen des städtischen Tiefbauamtes bezogen.

 

Das bereits geräumte Depot in der Plochinger Straße (Juni 1987)                                               Foto: R. Maggi

 

Der neue Betriebshof in der Heilbronner Straße

 

Besonderheiten:

 

Duo-Bus 321 am 18.03.92 auf der Vogelsangbrücke

 

"Weltrekord für den Obus" lautete im April 1991 eine Pressemitteilung. Gemeint war die Distanz der Fahrleitungs-Abspannung von 98 Metern auf der Vogelsangbrücke über dem Neckar. Die Masten konnten aus statischen Gründen nicht im Fundament der Brücke gesetzt werden und mussten deshalb in wesentlich stärkerer Ausführung auf dem Grund gesetzt werden. Elektrisch befahren wird dieser Streckenabschnitt seit November 1991 von den Linien 118, 119 und 120. Seit März 2005 können in stadtauswärtiger Richtung nur noch die Obusse der Linie 118 diesen Abschnitt befahren.

 

Eindrahthilfen:

Eindrahttrichter und Hinweis zum Eindrahten     Foto: R. Krüger

 

Eindrahttrichter (Lerchenäcker)

 

Seit Beginn des Obusbetriebes wurden in Esslingen dreiteilige Holzstangen zum Eindrahten der Stromabnehmer benutzt. Obus 11 war nur versuchsweise kurzzeitig mit Trolley-Retrievern ausgestattet. Mit Beginn des Duo-Bus-Versuchsbetriebes wurde das vollautomatische Ein-/Ausdrahten (System Dornier) erprobt. Da sich dies nicht vollständig bewährte, wurde 1985 das halbautomatische Eindrahten mit Fahrleitungstrichtern eingeführt. Da auf manuelles Eindrahten nicht vollständig verzichtet werden konnte, befand sich in jedem Fahrzeug weiterhin eine Eindrahtstange. Ab 1988 wurden dafür umgebaute Teleskop-Erdungsstangen der Bundesbahn benutzt. Die 2002 gelieferten Niederflur-Gelenkobusse haben pneumatische Abzugsvorrichtungen von Kiepe. Eingedrahtet wird manuell mittels den Leinen, die am Ende der Trolleystangen befestigt sind. Hierbei entfallen die Eindrahtstangen.

Die Eindrahttrichter entlang der Linienstrecken wurden 2010 demontiert. 2011 wurden für eine Baustellenbefahrung (Schlachthausbrücke) vorübergehend wieder zwei Trichter installiert, um das manuelle Eindrahten zu erleichtern. Im Frühjahr 2013 kam nach Entfernen der Wendeschleife am Bahnhof Esslingen für kurze Zeit ein neuartiger Trichter für das manuelle Eindrahten der Obusse der Linie 118 zum Einsatz.

 

© 2000-2014  R. K.